Autorinnen & Autoren

Die Autorinnen und Autoren

Sigrid Behrens

„Er hat jeden Abend Zeit sich ein paar Bilder anzuschauen. Er hat keine Zeit, abends seine Freunde zu besuchen. Ich habe jeden Abend Zeit ihn dabei zu beobachten, denn wir sind beide keine, die Besuche abstatten und anzutreffen wären an Orten, die nicht unsere Wohnung sind.“
Weiter hier.

Paula Coulin

In ihrem Mund befindet sich eine Kernfamilie von Zähnen, der Rest ist ausgezogen.
Weiter hier.

Martin Felder

„Vielleicht, überlegte ich, sollte ich rausgehen. Schlafen würde ich sowieso nicht. Wie denn, bei dem Lärm? Ich schlief nur noch montags, wenn die Bar geschlossen war.“
Weiter hier.

Myriam Keil

Sie bohren kleine Gänge unter die Haut, sagt mein Vater. Er betont genüsslich jedes einzelne Wort. Er spricht gern über solche Dinge. Krankheiten, Parasiten, die Einlagerung von radioaktivem Material in Waldpilzen. Dinge, die man nicht aufhalten kann.
Weiter hier.

Oskar Klett

„Juckreiz gleich einem orgiastischen Schauer packte mich, als ich die Augen öffnete und ein unendliches Gewölk aus Myriaden von Insektenkörpern zwischen mir und dem Firmament sah. Ich sprang auf, lief so schnell es eben ging in eine zufällig gewählte Richtung und stand sehr bald in einem flachen Sumpf, ich spürte Blutegel oder kleine Fische an meinen Füßen und begann, mich völlig zu entkleiden.“
Weiter hier.

Nicolai Kobus

... wie ein stern aus eigner schwere / sich im teilchennebel selbst formiert / und sogleich in einer kräftekehre / wieder an sich selbst verliert,
Weiter hier.

Nils Mohl

Sheriff John Silver fährt U-Bahn. Stellt sich/ vor, Pilot zu sein. Nicht leicht, wenn man den/ Himmel nicht sieht, findet er.
Weiter hier.

Andreas Münzner

„Mein Vater fragt, Schwellbrunn, wie hoch liegt denn eigentlich Schwellbrunn. Ich sage, sicher über tausend Meter. Bist du sicher? Ich sage, ja, todsicher. Er schweigt. Das heißt ziemlich, füge ich hinzu. Weißt du es, oder weißt du es nicht? Ich weiß es, sage ich, aber ich habe es vergessen. Dann weißt du es also nicht, folgert mein Vater.“
Weiter hier.

Maja Rettig

„Jemand hatte Nasenbluten, vielleicht war ich es. Sicherlich ist es was Schlimmes, dachte ich, sicherlich ist es das Schlimmste. Und das war es.“
Weiter hier.

Alexandra Saemmer

„Schwül war der Tag, an dem der Huber Hansi in seinem viel zu kleinem Firmanzug am Wegkreuzer Friedhof beerdigt wurde. Auf der Stirn, genau zwischen seinen Augen, war der Brandfleck bereits ein wenig vernarbt gewesen.“
Weiter hier.

Sascha Sajuntz

„und ich/ sitze am Tisch/ dessen Furchen unsere Jahre nachzeichnen/ vor mir ausgebreitet/ wiedererlangt/ Berge an Postkarten/ mit meiner Schrift und alten Stempeln“
Weiter hier.

Christian T. Schön

Gesetzt das Intervall vom Schließen der Augen bis zum Öffnen der Augen nach Belieben. Das Schließen als Gegenbewegung zum Schlag des Lides. Das Intervall zwischen Dunkel und Dunkel. Vier Sekunden. Schließen. Eins. Zwei. Drei. Vier. Öffnen. Dieselbe Beobachtung. Schließen. Eins. Zwei. Drei. Vier. Öffnen. Wiederholung. Dann Schließen.
Weiter hier.

Katha Schulte

Da hatte jemand ein umgefallenes Wegzeichen zum Scherz in die falsche Richtung wieder aufgestellt. Derselbe Spaßvogel ließ alle Gatter, durch die er kam, offen stehen und zog damit, weil danach das Vieh in die verschiedensten Gegenden ausriss und teilweise erst in zig Kilometern Entfernung von seinem angestammten Ort wieder aufgefunden wurde oder sogar nie, die sehr böse Meinung der Landbevölkerung auf sich.
Weiter hier.

Tanja Schwarze

„Es ist zu heiß, sage ich, furchtbar heiß, sagt er, aber eigentlich mag ich es so, sage ich, ja, sagt er. Wir sehen geradeaus.“
Weiter hier.

Oskar Sodux

„Jetzt verbringe ich Wochenenden und freie Tage, die sonst noch anfallen, meist in meinem zerwühlten Bett. Ich habe keinen Wind in den Segeln, dümple in Unsicherheiten. Wie ganz anders war das im Sommer.“
Weiter hier.

Wiebke Spannuth-Maginess

„Sie schwebte durch die vertraute, unvertraute Landschaft, umkreiste aus der Ferne das Gehöft, ein Trabant im All.“
Weiter hier.

Silke Stamm

„Du schenkst in der Küche Apfelschorle ein. Ich komme zu dir, du ziehst mich an dich, ich greife das Glas. Du hast fünf Minuten, sagst du, und dann ziehen wir alles aus, was aus Kunststoff ist, okay?“
Weiter hier.

Alicja Wendt

„Der Himmel über Hamburg taubengrau/ zugeschnürte Gesichter/ in den Straßen aus Wind/ über der Alster bröckelt’s Möwen/ wie jeden Tag/ an die Mauer gelehnt/ träum ich mich/ weg von“
Weiter hier.